Was jetzt nun - Motorsport oder Kfz-Technik ???

oder besser: Wie fing's an ?

Hier etwas Vorgeschichte (auch private, was soll's. Wen es nicht interessiert der brauchts ja nicht lesen)

Ich bin in einem damals gutgehenden Betrieb für Stahlschrankfertigung aufgewachsen, ein relativ großer Betrieb in ländlicher Gegend mit teilweise über 70 Angestellten, riesig Platz. Mein Vater war dort Werkmeister, wir wohnten in einer der Werkswohnungen auf dem Gelände. Damals gabs auch noch keine Zugangskontrollen oder ähnliches, daher ließ ich es mir auch nicht nehmen meinen Spielplatz im Laufe der Zeit in die Nähe von interessanteren Spielzeugen wie Kantpressen, Stanzmaschinen, Schweißgeräte, Dreh- und Fräsmaschinen zu verlegen.

Technische Sonderanfertigungen gingen mir damals schon leicht von der Hand, man mußte mir nur sagen was denn gerade so gebraucht wird. Mit gut 6 Jahren sagte mal einer der Arbeiter nach Feierabend zum anderen, daß der Schaum in seinem Bierglas immer so schnell zusammenfiele. Worauf ich mit Erstaunen beobachtete, daß eben dieser nach etwas Umrühren im Glas wieder da war. Ich bin dann auf mein Zimmer, hab das vor kurzen zu Weihnachten erhaltene ferngesteuerte Auto (damals noch wie üblich mit Kabelfernbedienung zum Nachlaufen) zerlegt und den Elektromotor rausgebaut. Einen Teil der Spirale des Lenkungsbowdenzuges befestigte ich auf der Motorwelle, die 2 Kabel von der Fernbedienung wieder am Motor und am nächsten Tag gings ab zu der Feierabend-Runde. Ich habe dann gewartet bis bei einem der Schaum im Glas zusammenfiel, dann meinen Motor reingehängt und auf "Vorwärts" gedrückt. Bevor die sich versahen, waren alle rundrum etwas naß, aber im Glas ein toll dicker Schaum. Der Mann mochte dann sein Bier nicht mehr, obwohl fast nur noch Schaum drin war. Ich hab das damals nicht so ganz verstanden. Mein Vater übrigens auch nicht, ich habe (warscheinlich eher wegen dem nun kaputten Auto) eine Auseinandersetzung seiner Hand mit meinem Hintern wahrgenommen. Deswegen weiß ich das auch noch so gut...

Mein ältester Bruder (Spitzname "Porsche" wegen einer spektakulären Implantation eines 356er Porsche Motors in einem ansonsten braven Käfer, darf aber darüber nichts schreiben...), schraubte zwar lieber an seinen geliebten Glas- und später BMW-Modellen rum, hat mich aber sicherlich auch beeinflusst. Er ist aber immer noch meine Kontaktadresse Nr.1 wenn`s um Tips rund um Edelstahl-Sonderkonstruktionen geht. Nach jahrelanger Abstinenz vom Thema Auto fiel Ihm vor kurzem ein, daß Ihm eigentlich schon in seinen "wilden Jahren" immer ein Karmann Ghia Cabrio gefallen hätte. Tja, jetzt hat er einen und zu meiner größten Freude schraubt er schon wieder selber ein bischen dran.

Irgendwann mit 14 bekam ich ein altes Mofa (Rixe), da konnte ich endlich mal nicht nur rumprobieren sondern auch was sinnvolles machen (Schaltkulisse der 3-Gang-Schaltung aufschweißen, Vergaser aufdrehen und einen neuen größeren Gasschieber bauen, Doppelrohrauspuff und sonstiges basteln).

Mit 18 hatte ich zum bestandenen Führerschein einen in Ehren verrosteten Toyota Corolla KE10 bekommen. Ein damals optimales Objekt zum Austoben und Schweißen üben. Als Hebebühne nahm ich den Gabelstapler, die Schweißapparate des Betriebes verwendeten 1mm Draht und waren irgendwie ein bischen überdimensioniert. Die Schweißnähte waren trotzdem eine Schau, vor allem zum Schluß hin hatte ich die Übung weg. Er war dadurch sicherlich ein paar Milimeter tiefer, und die Schrottpresse hat sich daran sicherlich 'ne üble Magenverstimmung geholt.

So richtig angefangen hat's dann so Ende 1984, als ich mir meinen Capri (damals 13 Jahre jung, Gebraucht aus 1. Hand) mit gerade mal 1/2-jährigen Führerschein zugelegt habe. Schweißerfahrung hatte ich schon mehr als genug und gefallen hat mir das Auto auch. Außerdem mußte ich noch die verbastelte Elektrik wieder zum Laufen bringen, den Motor überholen und das Getriebe neu lagern (heute noch eine meiner Lieblingsarbeiten). Die wenigen notwendigen Spezialwerkzeuge dazu wurden selbst gebaut, Maschinen dazu waren ja alle da.

Irgendwann stand dann nur noch mein Auto in der Garage, da für Papas Nasenbär (VW 411LE) kein Platz mehr war. Papas VW bekam einen neuen Unterstand in 'nem Schuppen, der erwies sich im Nachhinein als feucht da wenig später dem Bär die Nase abfaulte...

Bei dem nun fast "unendlichen" Platzangebot alleine in der so mühsam "erarbeiten" Doppelgarage hab ich mir diese dann so nach und nach eingerichtet; Ständerbohrmaschine, Schleifbock, Schweißgerät (in etwas passenderer Größe) usw. Nun wurde also geschraubt, geschweißt und getunt, die ersten V6-Köpfe noch mit Hausmitteln bearbeitet und diverse Vergaser montiert. Irgendwann passte das alles - aber nun musste natürlich ein Winterauto her.

Nach diversen Abstechern zu Talbot, Alfa usw. kam dann ein 78er Golf 1 her. Das selbe wie immer: schweißen bis zum Erbrechen, Mechanik reparieren usw. Irgendwann reichten dann die 70PS des 1,5ltr. (JB) Motors nicht mehr, dann kam der 2B2 Registervergaser vom Scirocco drauf und eine Sportauspuffanlage mit doppelflutigem Krümmer vom GTI. Das ging relativ gut, der Biss fehlte jedoch. Also wurde der Vergaser entgegen allen Warnungen auf mechanisch betätigte 2. Stufe statt der Unterdruckbetätigung umgebaut. Allen Unkenrufen zum Trotz ging das nach langem Tüfteln ruckfrei und ohne Probleme, und er hing so richtig gut am Gas.

Tja, Blut geleckt.... Kopf runter, das erste Mal einen Kopf (im nachhinein betrachtet) eigentlich schon ziemlich gut bearbeitet, also nicht nur poliert sondern auch Kanäle und Sitzringe etc. erweitert. Die Nocke ließ ich damals noch umschleifen, war wesentlich billiger als eine neue Sportnockenwelle.

Nun, nach Blut lecken kommt Blut saufen. Also die etwas mickrigen 79,5er Kolben angesehen, und den Block gleich auch noch raus. Passende 82er Kolben rausgesucht, Kompressionshöhe angepasst, Kurbelwelle vom 1,6er Diesel reingeschraubt (hatte mehr Hub als die vom 1,6er, gleich den damals brandneuen 1,8er Motoren, die aber noch nicht billig zu bekommen waren). Die dickere Lagerzapfen der Dieselmodelle erforderten die Verwendung der Diesel-Pleuel, die hatten aber eine Bohrung für 24er Kolbenbolzen, die Benziner Kolben hatten aber 22mm. Also die 24er Lagerschalen aufgerieben und 22er Buchsen eingepresst. Der Motor ging verdammt gut, leider nicht lange. Ich hatte nicht damit gerechnet daß die Verdichtung bei gleichem Brennraum aber größeren Hubraum ansteigt. Nach dem weiß nicht mehr wievielten Klemmer und geplatzten Ölkühler infolge Spänen im Überdruckventil der Ölpumpe kamen dann 82,5er Kolben mit eingedrehter Mulde rein, diesmal mit errechneter Verdichtung (nicht mehr gut 13,5, sondern 10,5:1). Der Motor ging für damalige Verhältnisse wirklich gut, im Gegensatz zu den GTI's auch richtig gut von unten raus. Ich hab das Auto noch einige Jahre gefahren und dann verkauft. Der Motor läuft heute noch, allerdings wartet die Karosse seit vielen Jahren bei seinem neuen Besitzer auf umfangreiche Schweißarbeiten.

Diese ist z.B. die Erklärung warum ich z.B. allzu hohe Verdichtungen nicht mag und sollte auch meinen Grundsatz bei allen Leistungssteigerungen erklären: Lieber auf 2-3% Leistung verzichten und dafür keine Einbußen bei der Haltbarkeit eingehen. Außerdem bestätigt es die uralte Weisheit daß Hubraum durch (fast) nichts zu ersetzen ist.

Den Capri hab ich zum Glück nicht verkauft, nach sehr umfangreichen und teuren Rückrüstaktionen auf historisch korrekten Zustand hat er inzwischen das H-Kennzeichen. Einige Sünden von den wilden Zeiten ließen sich leider nicht mehr ganz ausbügeln, ich habe aber zur Buße ein neues Projekt angeschafft. Für den aus Frankreich geholten, absolut originalen und damals mit fast Vollausstattung gebauten 71er Capri 1 (2600GT XLR) hab ich in meiner angeblich überpeniblen Art dann extra eine Punktschweißzange gekauft und die originalen Schweißpunkte abgezählt. Alles nur um die neuen oder ausgetrennten alten Blechteile nachher wieder wie original einzusetzen.... (Wen's interessiert hier einige Fotos). Die Restauration wird wohl noch einige Zeit (Jahre?) in Anspruch nehmen, da ich dafür nur wenig Freizeit habe. Aber ich bin ja noch jung und hab Zeit....

Nun kam was kommen mußte: Die Fragen von Bekannten und Verlierern, was denn bei Ihren Autos ginge. So wurde frisiert was ging, VWs, Audis, Opels und was sonst noch alles so rumfuhr. Damals war allerdings auch vieles einfacher, fast keiner hatte einen Kat und die Motronik kannte man nur vom Hörensagen. Wenn ich so zurückdenke... Mann gabs damals schöne Autos, heiße C-Kadetten (sogar mit Innenausstattung), Manta A Black Magic, Manta B GSI, Kadett D GTE, Audi Coupe Typ 81, Golf 1, Sciroccos, Polo 1+2 usw. Und die hatten nie zu Showzwecken außen polierte Motoren. Die waren halt einfach sauber - und gingen gut. Leider lässt sich mit so was heute kein Pott mehr gewinnen, schade drum.

1990 folgte der Umzug zentral nach Schwandorf in die ehemalige Bundesbahn-Werkstatt. Es wurde immer wieder zu klein, inzwischen sind es 3 Hallen mit ca. 500m². Nachdem sich aber mit Tuning alleine das ganze nicht mehr rentiert hätte, wurde Ende 1999 die Reparaturwerkstatt angegliedert. Unser Hauptgebiet ist inzwischen die Kfz-Instandsetzung, Wartung, Inspektionen, Unfallinstandsetzung.

Im Mai 2007 folgte der Umzug in das Industriegebiet Süd von Schwandorf, gleich 100m neben dem TÜV. Die neue Halle ist wesentlich heller, Büro, Maschinenraum größer und einen schallgedämmten Super-Prüfraum gibts jetzt auch. Auch wesentlich mehr Lagerfläche auf 2 Etagen, einen schönen Keller mit kpl. neuen Sanitäranlagen, Wasch-/Duschraum, kleine Küche usw. Und es gibt jetzt eine schöne Zentralheizung, schon was anderes als das Höllengebläse in der alten Werkstatt. Obwohl die Halle selbst etwas kleiner ist, ist infolge der besseren Aufteilung jetzt wesentlich mehr Platz.

Der vorhandene Maschinenpark zur Motorenbearbeitung ist selbstverständlich noch da, er ist sehr gut auch zur Instandsetzung geeignet (Welche freie Werkstatt kann heute noch Köpfe planen, Sitzringe einschrumpfen, Ventilsitze bearbeiten , verfügt über Dreh- und Fräsmaschinen, Leistungsprüfstand, 3 Motortester und und...) Sehr zum Vorteil auch des normalen Kunden, hier wird nicht generell ausgetauscht sondern auch noch repariert - mit voller Garantie des Kfz-Meisterbetriebes.